Obst Pflanzen Sträucher/Bäume

Holunder

Der Schwarze Holunder oder auch Fliederbeere im Norden und Hollerstrauch im Süden ist ein heimisches Wildobstgehölz. Er wächst als Strauch oder kleiner Baum und ziert in Europa viele Hausgärten.

Als heimische Pflanze bietet er Vögeln und Insekten viel Nahrung und Lebensraum. Zusätzlich sind sowohl Blüten als auch Beeren für die Küche geeignet. Im Altertum galt der Hollerstrauch sogar als Heilpflanze. Kein Wunder, denn er bietet viele wertvolle Inhaltsstoffe. Heute ist er in erster Linie ein Zierstrauch mit etwas Mehrwert.

In Deutschland ist vor allem der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) verbreitet. Ebenfalls häufig anzutreffen sind der Rote Holunder (Sambucus racemosa) und der niedrige Zwergholunder (Sambucus ebulus). Einige Varianten des Schwarzen Holunders (der Name stammt vom sehr dunklen Holz) haben dunkelrote Blätter.

Steckbrief

  • Botanischer Name: Sambucus
  • Familie: Moschuskrautgewächse/Holunder
  • Typ: Strauch/Baum
  • Wuchsform: bis zu ca. 10 m Höhe und dabei ausladend breit bis ca. 6 m, strauchförmig
  • Zuwachs: ca. 30 – 70 cm im Jahr
  • Blätter: gegenständig, unpaarig gefiedert, im Winter abgeworfen
  • Gehölz: sehr dunkel bis zu einem schwarzen Ton
  • Blüte: schirmträubige, rispenförmige weiße Blüten, je nach Sorte zwischen Mai und August; einige Sorten haben dunkle, rosafarbene Blüten, die Rispen sind ca. 20 cm breit, die eigentlichen Blüten unscheinbar klein.
  • Früchte: kleine rote bis schwarze Beeren (genauer: kleines Steinobst) im Herbst, die an die Stelle der Blüten treten
  • Standort: alle Lagen geeignet, Sonne bevorzugt
  • Boden: wächst auf allen Böden, kommt mit sandigen und sehr lehmigen Boden zurecht, benötigt nur mäßig Wasser

Natur pur: Strauch, Baum oder doch Heckenpflanze?

Der Sambucus gilt vorrangig als Strauch. Er wächst sehr buschig und ausladend. Erreicht er jedoch eine ansehnliche Höhe, verkahlt er unten etwas. Es entsteht eine Baumstruktur. Das lässt sich durch regelmäßiges Auslichten alter Triebe verhindern. Als Wildobstgehölz kommt er in freier Natur in beiden Varianten vor. Daher ist er sowohl Strauch als auch Baum.

Besser noch: Das Gewächs ist häufig wichtiger Bestandteil von Windschutzhecken, Wildhecken und Blühhecken. Durch seine Erscheinung und den dichten Wuchs ziert er daher nicht nur die freie Landschaft in Wäldern und an Feldrändern, sondern auch als Schutz in der Natur und im Garten.

Holunderbüsche in Blüte
Üpiig wachsende Holunderbüsche in Blüte

Vogel- und Insektengehölz

Durch seine Blüten und Beeren einerseits und die dichte Wuchsform andererseits bietet der Holunder außerdem der heimischen Tierwelt einen Lebensraum. Die Blüten ziehen Wildbienen und Hummeln an, Insekten finden Unterschlupf und die Vögel sowie Kleinnager und Igel erfreuen sich an den Beeren. Nicht zuletzt bietet der Holunder meistens relativ sichere Nistgelegenheiten.

Der ideale Standort im Garten

Der Sambucus passt durch seine Funktion für die Natur hervorragend als Teil einer Blühhecke oder einer Nährhecke für Vögel und Insekten. Er erreicht jedoch schnell eine stattliche Höhe, sodass er sehr gut mit etwas Abstand zu anderen Sträuchern und Bäumen alleine stehen kann. Selbst bei mäßigem Wachstum müssen Sie nach einigen Jahren mit einem rund vier Meter hohen, dichten Strauch rechnen.

Seine buschige Form harmoniert sehr gut mit Kirschbäumen, Sommerflieder oder als Solitärstrauch vor Häuserwänden oder am Zaun. Beachten Sie jedoch, dass Sie genug Abstand zu Nachbarn, Straße und Wand einhalten. Denn der Wuchs ist ausladend und erreicht schnell mehrere Meter.

Durch seine Form und Funktion passt er erstklassig in einen Bauerngarten oder einen naturnah konzipierten Wildgarten. Dort gibt er dem Garten eine markante Struktur und ist zugleich ein Lichtblick. Seine hell- bis mittelgrünen Blätter und die weißen Blüten im Sommer sowie das dunkle Obst im Herbst sind ein toller Akzent in einem Garten.

Platz und Boden

Als Standort liebt der Sambucus sonnige Plätze. Dann liefert er den besten Blüten- und Obstertrag. Er kommt aber auch im Halbschatten gut zurecht und eignet sich sehr gut für trockene und windige Lagen. Zudem gilt er als absolut winterhart und verträgt auch harten Frost.

Der Sambucus wächst sehr gut auf humosem Boden, der etwas feucht ist. Staunässe verträgt das Gehölz nicht so gut. Aber: Als Wildstrauch ist der Holunder sehr anspruchslos und kommt auch mit nährstoffarmen Sandböden, kalkigem Grund oder mit sehr schweren Lehmböden sehr gut zurecht. Daher können Sie den Schwarzen Holunder fast überall platzieren. Er wächst auf praktisch jedem Boden, hält Wind, Trockenheit und Frost aus – das ist perfekt für den pflegeleichten Garten.

Weiße Holunderblüten
Die typischen weißen Blüten des Schwarzen Holunders

Anpflanzen

Das Gehölz benötigt ein ausreichend großes Pflanzloch. Planen Sie wenigstens das doppelte des Wurzelballens ein. Der Holunder ist ein Flachwurzler und benötigt keine starke Vertiefung unter dem Raum für den Wurzelballen.

Ideal ist es, Kompost und etwas organischen Langzeitdünger wie Hornspäne in das Loch zu geben. Der Wurzelballen sollte mit der Erdoberfläche abschließen. Gießen Sie alles gut an und treten Sie den Boden etwas fest. In der ersten Zeit sollten Sie den Holunder regelmäßig wässern.

Die beste Pflanzzeit ist eine frostfreie Periode zwischen Oktober und März. Empfehlenswert ist das Anpflanzen im Oktober, sodass der Strauch noch ein gutes Wurzelwerk bilden kann. Alternativ ist die Zeit nach dem Winter eine gute Wahl. Handelt es sich bei dem Neuankömmling um eine sehr junge Pflanze oder ein wurzelnacktes Exemplar, sollten Sie diese gegen Frost mit etwas Mulch (dann den Stickstoffdünger nicht vergessen!) oder mit einem Vlies schützen. In der Regel kommt die neu gesetzte Pflanze aber auch bei wenig ausgeprägtem Wurzelwerk mit Frost gut klar.

Holunder: die richtige Pflege

Der Sambucus ist ein besonders pflegearmes Gewächs. Sie könnten die Fliederbeere einfach wachsen lassen. Das würde in den meisten Fällen gut funktionieren. Dennoch gibt es einige Kniffe, mit denen Sie dem Gehölz auf die Sprünge helfen können.

Holunderbeeren in freier Natur in Spätreife
Holunderbeeren in freier Natur in Spätreife

Gießen und düngen

Der Strauch kommt mit wenig Wasser aus. Gießen Sie in trockenen Wochen hin und wieder, vermeiden Sie aber Staunässe. Ältere Gehölze kommen aber auch mal problemlos ein bis zwei Wochen ohne Gießen aus.

Ähnlich ist es beim Düngen. Geben Sie im Frühjahr etwas Kompost oder Hornspäne an die Stämme. Dann bilden sich mehr Blüten und Früchte. Aber erforderlich ist das Düngen nicht.

Wie wird der Holunder geschnitten?

Der Strauch wächst allein am besten. Sie müssen weder Rückschnitte noch Formschnitte einplanen. Sie können aber dennoch hin und wieder etwas das Wachstum anregen. Es gibt zwei Schnitte, die Sie in Erwägung ziehen sollten.

  1. Schneiden Sie altes Holz bodennah ab. Sie erkennen dieses an einer rissigen Struktur. Das verhindert das Verkahlen von unten und sorgt für junge frische Triebe, die auch Blüten und Früchte tragen.
  2. Wenn Sie die Form unterstützen möchten, sollten Sie sich einer Besonderheit bewusst sein. Der Holunder treibt an der Schnittstelle buschig aus. Schneiden Sie beispielsweise die Spitze, bildet sich ein Kugelkopf, der die Stämme übermäßig belasten könnten. Schneiden Sie formgebend nur mit Bedacht und möglichst von unten.

Der Strauch ist jedoch generell extrem schnitttolerant. Sie können die Pflanze selbst bei radikalem Auslichten nicht schädigen. Sie spießt spätestens im nächsten Frühjahr neu aus. Dennoch sollten Sie besonders in kleinen Gärten oder beengten Standorten immer wieder von unten die alten Triebe entfernen. Dadurch bleibt der Sambucus insgesamt leichter zu bändigen.

Sollten Sie sich auf das Ernten von Früchten spezialisiert haben, ist ein starkes Kappen der Fruchttriebe sinnvoll. Schneiden Sie kurz über einer Verzweigung ab, um das Neubilden der Blüten im nächsten Jahr anzuregen. Achten Sie außerdem darauf, nur die jüngsten Äste von unten stehen zu lassen.

Vermehren

Holunder lässt sich auf zwei Arten vermehren. Einmal über die Kerne des Obstes. Das ist jedoch aufwendig und bedarf einer intensiven Pflege der Sprösslinge.

Zum anderen können Sie im frühen Herbst Stecklinge schneiden. Schneiden Sie einen etwa 40 cm langen Trieb ab. Stecken Sie diesen in die Erde, sodass er noch ca. 10 cm herausragt. Mit Glück bilden sich schnell Wurzeln, sodass Sie im Frühjahr einen neuen kleinen Strauch haben. Dieser wird anfangs etwas Zeit benötigen, aber wächst nach und nach zu einem stattlichen Gehölz heran. Alternativ können Sie den Steckling in einer Vase wässern, bis er Wurzeln bildet.

Holunderbeeren bzw. das Kernobst des Strauchs
Holunderbeeren bzw. das Kernobst des Strauchs

Krankheiten und Schädlinge

Der Holunder ist ein Wildgehölz. Diese Eigenschaft bedeutet, dass er relativ robust gegen Krankheiten und Schädlinge ist.

Kommt es zu einem Befall, müssen Sie daher normalerweise nicht eingreifen. Der Strauch erholt sich von selbst und kommt mit Krankheiten und Schädlingen wie die Holunderblattlaus gut zurecht.

Das einzige Ärgernis für Gartenfans ist die Doldenwelke. Dabei handelt es sich um eine Pilzerkrankung der Blütenrispen. Diese bilden dann nur noch wenige Beeren aus oder diese verwelken/vertrocknen. Im Fachhandel gibt es kein geeignetes Mittel, mit dem Sie dagegen vorgehen können. Verzichten Sie auf daher ganz auf Fungizide. Diese sind meistens nicht für diesen Pilz konzipiert und belasten nur Ihr Wildobst. Tritt diese Erkrankung auf, sollten Sie diese tolerieren.

Holunder: Blüten und Beeren ernten

Das Gehölz gilt zurecht als alte Heilpflanze. Denn die Blüten und Beeren beinhalten zahlreiche Stoffe, die auf den Organismus förderlich wirken können. Dazu zählen insbesondere die Vitamine A, B und C sowie Kalium und Antioxidantien.

Beide Pflanzenteile sind Ausgangspunkt für Rezepte von Aufguss, Marmelade, Sirup oder anderen Verarbeitungsformen. Als natürliche Heilmittel soll die Pflanze vor allem Erkältungskrankheiten und Verdauungsprobleme.

Holunder ist giftig – aber essbar!

Aber Achtung: Aller Pflanzenteile des Sambucus sind schwach giftig. Der Rote Holunder sogar deutlich stärker als der Schwarze Holunder.

Das liegt am Sambunigrin. Dieser Stoff verursacht Krämpfe und Übelkeit. Schon kleine Mengen der rohen Beeren können bei Erwachsenen ausreichen, um diese Reaktionen hervorzurufen.

Um das zu verhindern, müssen die Pflanzenteile auf mindestens 80 Grad Celsius erhitzt werden. Das Sambunigrin zersetzt sich knapp unter dieser Temperatur und der Holunder ist nicht mehr giftig.

Eine Ausnahme ist der Zwergholunder. Dessen Blüten und Früchte sind ungenießbar und können auch nach dem Erhitzen Vergiftungserscheinungen verursachen. Konzentrieren Sie sich daher möglichst auf Die Ernte von Blüten und Obst des Schwarzen Holunders.

Holunderbeeren sind in der Küche vielseitig einsetzbar
Holunderbeeren sind in der Küche vielseitig einsetzbar

Holundersirup kochen

Sehr beliebt ist Holundersirup. Dazu schneiden Sie die Blüten des Strauchs ab. Klopfen Sie diese vorsichtig aus. Geben Sie etwa 10 Gramm Blüten in einen Liter Wasser. Lassen Sie das über Nacht (mindestens 10 – 12 Stunden) stehen. Seihen Sie die Flüssigkeit ab und geben Sie pro Liter 700 Gramm bis ein Kilo Zucker hinzu. Nun kommen noch rund 20 ml Zitronensäure hinzu (oder der Saft einer Zitrone). Verrühren Sie alles, bis es zu einer angedickten Flüssigkeit wird. Kochen Sie diese Mischung für wenigstens 15 Minuten auf.

Alternativ stellen Sie erst die Flüssigkeit her, übergießen damit die Blüten und lassen den Sud mehrere Tage stehen. Gießen Sie dann alles ab. In beiden Fällen ist der Sirup im Kühlschrank mindestens zwei Wochen gut haltbar. Der Holundersirup ist gut geeignet, um damit Cocktails, Sekt, Desserts, Eis oder Erfrischungsgetränke zu zaubern.

Holundertee

Es gibt zwei Varianten, den Tee herzustellen. Ein Aufguss aus Blüten zieht nur 15 Minuten. Er eignet sich als Hausmittel bei Erkältungen. Nehmen Sie mindestens ein bis zwei Esslöffel Blüten pro Liter Wasser. Ein Aufguss der Beeren muss mindestens 10 Stunden ziehen. Nehmen Sie dazu ein Löffel Beeren auf eine Tasse, kochen Sie diese auf und lassen Sie den Aufguss dann ziehen. Dieser Tee soll bei Verdauungsbeschwerden abführend wirken.

Holundermarmelade

Holunder ist eine tolle Frucht für Marmeladen. Nehmen Sie ein Kilo Beeren – je dunkler, desto besser. Sortieren Sie vertrocknete und graue aus. Geben sie alles mit drei Esslöffel Wasser in einen Topf. Geben Sie den Schalenabrieb einer unbehandelten Bio-Zitrone sowie etwas Zitronensaft hinzu und lassen Sie es 5 Minuten aufkochen. Passieren die Menge, geben Sie ein Kilogramm Gelierzucker (1:1) hinzu und lassen Sie noch einmal alles 5 Minuten kochen. Die fertige Marmelade füllen Sie in saubere Gläser ab und verschließen diese fest.

Weitere Rezepte

Es gibt unzählige weitere Verwendungsformen. Sie können die Beeren zum Beispiel in eine Soße zu Fleisch geben als Suppe reichen oder nach dem Erhitzen in eine Fruchtspeise oder eine Eismasse geben. Wichtig ist, dass Sie die Beeren einmal für ein paar Minuten auf 80 Grad erhitzen.

Fotos: Clipdealer (5), Michael Weber (Holunderbeeren in freier Natur)

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