Ratgeber

Nostalgie pur – der Bauerngarten

Früher war alles anders! Da lebten mehrere Generationen unter einen Dach, Obst und Gemüse wurden selbst angebaut und Maschinen, die die Arbeit erleichterten, gab es so gut wie keine. Harte Arbeit war an der Tagesordnung und schlechte Ernten ließen Sorgen um die Zukunft der Familie aufkommen. Nicht gerade beneidenswert!

Und trotzdem: aus eben diesen Zeiten stammen die unendlich romantischen Bauerngärten, die heute wieder eine Renaissance erleben. Knuffige Hecken, Natursteinwege und ein buntes Durcheinander von Gemüse und üppigen Blumen im Garten – schön und nützlich zugleich. Wie entstanden diese Gärten, was genau macht die Faszination eines Bauerngartens in unserer Zeit aus und wie legt man einen an?

Ungewollte Ordnung – gewollte Unordnung?

In den letzten Jahrzehnten spielte Ordnung im Garten eine große Rolle. Rasen, Tannen, Koniferen, abgezirkelte Rosenbeete und so weiter. Wehe, etwas tanzte aus der Reihe! Jeder Garten hat natürlich seinen Reiz, aber vielen fehlte die Seele in diesen – so weit von der Natur entfernten -Gärten. Ein Bauerngarten dagegen zeugt vom täglichen Leben im Garten. Er beschwört Bilder von Kindern herauf, die im Kirschbaum sitzen, von einem alten Mann, der das Kartoffelbeet umgräbt und einer Frau, die Kräuter für das Mittagessen pflückt. Die Stauden wachsen und wuchern und dürfen sich ausbreiten. So haben Sie im Frühling und Sommer Beete, die sich gegenseitig in ihrer Blütenpracht übertreffen. Vor dem Holzzaun dürfen die Wildblumen und -kräuter stehen und in den Beeten finden sich wahllos Beerensträucher neben Stauden und geht das Gemüse eine harmonische Verbindung mit den Einjährigen ein. Farb- und Formenkombinationen scheinen keine Rolle zu spielen.

Anlage eines Bauerngartens

Aber genau das ist ein Trugschluss. Wenn Sie einen Bauerngarten anlegen möchten, so sollte er sorgfältig geplant und gut gepflegt werden, damit diese harmonische Wirkung erzielt wird, denn sonst entsteht leicht ein heilloses Durcheinander, das das Auge ermüdet. Der Grundriss eines Bauerngartens ist demnach eher ruhig gestaltet, Hecken, Mauern und Zäune schaffen Ruhepunkte, die dem ganzen eine Form geben. Das Gemüse, das früher im Garten ja die wichtigste Rolle spielte, wird als erstes Element in diesen Plan eingefügt, denn davon lebten die Menschen, während Schönheit damals ein eher überflüssiger Luxus war. Aus diesem Grund sollten Sie die Form des Gartens auch schlicht und einfach halten: z.B. vier gleich große Beete unterteilt von zwei Wegen, in denen das Gemüse in Reihen angepflanzt wird. Die kunstvollen Beetgebilde der formalen Gärten waren den Gärtnern vorbehalten, die dazu Zeit und Geld hatten.

Elemente des Bauerngartens

Der Garten wurde von einer kleinen Mauer, einer dichten Hecke oder einem Zaun begrenzt – ein Schutz vor plündernden Nachbarskindern und scharfen Westwinden, der gleichzeitig eine gemütliche und persönliche Atmosphäre in den Garten brachte. Als Hecke eignen sich z.B. schnellwachsender Liguster- oder Buchensträucher, mit einem Holzzaun liegen Sie goldrichtig. Auch auf den Wegen zeigt sich diese Gestaltung mit einfachsten Mitteln.

Bauerngartenpflanzen

Die Gemüsebeete bilden das Grundgerüst des Gartens. Kohl, Salat, Möhren, Zwiebeln, Kartoffeln, Beeren und Obst gehören einfach dazu. Was nicht nach der Ernte sofort verwertet wurde, fand seinen Weg in den Einmachkeller, sei es als Marmelade oder essigsaures Gemüse. Mir gefallen die Gemüsebeete, die mit kleineren Hecken eingefasst sind oder aber Randsteine, die für den richtigen Abschluss sorgen, denn so kann das Unkraut besser in Schach gehalten werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurden damals die Zwischenräume im Gemüsebeet mit Blumen ausgefüllt. Ein weiterer Vorteil ist, dass dicht bepflanzte Erde nicht so schnell austrocknet und so Wasser gespart wurde. Viele der Pflanzen hatten auch noch einen zusätzlichen Nutzen. Wenn die schönen Lupinen umgegraben wurden, sorgten sie für eine Stickstoffanreicherung des Bodens und durch die Pflanzung von Veilchen sollte der Geruch des Misthaufens gemildert werden. Die Ringelblume war als Arzneipflanze außerordentlich geschätzt und Lavendel als Kosmetikum. Einige wenige Bauerngartenpflanzen wurden allerdings auch nur wegen ihrer Schönheit gepflanzt, dazu gehört die Pfingstrose, der duftende Schneeball, die Stockrose und die Hortensie. Aber auch dann wurde nicht auf Farbkompositionen geachtet, denn die bunte Vielfalt ist gerade das Merkmal des Bauerngartens.

Im Gegensatz zu Obst und Gemüse gab es bei den Blumen keinerlei Ordnung. Sie wurden dort gepflanzt, wo gerade Platz war. Mitten in den Gemüsebeeten, am Wegrand oder vor dem Zaun. Besonders die Einjährigen säten sich selbst aus und durften – wenn sie dem Gemüse nicht den Platz wegnahmen – dort auch stehen bleiben. Gerade dieses bunte Durcheinander in einem relativ strengen Rahmen und dieser Kontrast, der immer wieder anders ausfällt, machen den Bauerngarten so individuell und so reizvoll.

Schmuckstücke im Bauerngarten

Wer einen Bauerngarten hat, der sucht auf alten Bauernhöfen, Antikmärkten, bei Verwandten nach altem Gartengerät und -zubehör, das dort hinein passen würde. Zinkgießkannen und -eimer, alte Leitern und Gartengeräte sind ebenso interessant wie ein Bienenkorb aus Korbgeflecht.

Eine Bank gehört in jeden Bauerngarten. Vor einer Hecke oder an der Hauswand sollte sie an einem sonnigen Standort stehen und möglichst den ganzen Garten einsehbar machen. Dort kam man in der Abenddämmerung nach der Arbeit zusammen und erfreute sich an dem Blumenmeer, den Blütendüften und Schmetterlingen. Die Kinder stibitzten Johannisbeeren oder Zuckererbsen und Ruhe und Zufriedenheit waren überall spürbar. Vielleicht ist es ja gerade das, was den Bauerngarten in unserer heutigen Zeit wieder so attraktiv macht – das Gefühl der Gemütlichkeit und Nostalgie, der Erinnerung an eine Zeit, in der Ruhe und Zufriedenheit noch so viel selbstverständlicher waren.

Pflanzen für den Bauerngarten

Kräuter

Name Blüte Höhe Besonderheiten
Ringelblume (Calendula) V-IX 30-60 Blüte wurde zum Färben und für Salben verwendet
Petersilie (Petroselinum crispum) VI-VII bis 90 Samen sind giftig und sollten nicht verzehrt werden
Schnittlauch (Allium schoenoprasum) ab IV 40 vor der Blüte schneiden, um Wachstum anzuregen
Waldmeister (Gallium odoratum) V 15 weiße Blüte, die für die Maibowle verwendet wird
Liebstöckl (Levisticum officinale)   bis 200 heißt auch Maggikraut, ideales Suppengewürz

Stauden

Name Blüte Höhe Besonderheiten
Tränendes Herz (Dicentra) V-VI 80 Trauerwuchs mit hängenden Zweigen
Pfingstrose (Paeonia officinalis) V-VI 80 große gefüllte oder ungefüllte schöne Blüten
Veilchen (Viola odorata) III-IV 10 Blüte: blau, weiß, violett; wird zu dichten Kissen
Schlüsselblume (Primula elatior) IV-V 25 bildet kleine Horste
Staudenwicke (Lahyrus latifolius) VI-VIII bis 200 Kletterpflanze mit rosafarbenen Blüten

Ein- und Zweijährige

Name Blüte Höhe Besonderheiten
Fingerhut (Digitalis) IV-V bis 120 sehr giftig
Levkoje (Matthiola) V-VIII 80 Blüte: rosa, lila, gelb, weiß, rot; süßer Duft
Stockrose (Alcea) VII-IX bis 150 wirken schön vor der Hauswand oder dem Zaun
Marienglockenblume (Campanula medium) V-VI 60-80 einfache oder gefüllte Blüten in blau, weiß oder rosa
Stiefmütterchen (Viola Wittrockinia Hybr.) III-XI 20-30 sonniger Standort, keine schweren Böden

Gehölze

Name Blüte Höhe Besonderheiten
Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus) V-VI bis 150 weiße Blütenbälle; durch Stecklinge vermehren
Hortensie (Hydrangea macrophylla) VI-VIII bis 200 Blütenbälle in rot, rosa, lila, weiß, blau
Stockrose (Alcea) VII-IX bis 150 duftende Blütenrispen von weiß bis violett

Möchten Sie einen Bauerngarten anlegen? So wird’s gemacht!

Der Beginn ist immer etwas schwierig. Da ist man fasziniert von dem Gedanken an den beschriebenen Bauerngarten, steht vor der eigenen Rasenfläche – und verzweifelt! Wo anfangen?

Am besten beginnen Sie ganz langsam, Schritt für Schritt. Ein Bauerngarten muss wachsen, auch zusammenwachsen. Wenn Sie erst einmal mit einem kleinen Stückchen, z.B. direkt an der Terrasse als Küchengarten oder mit einem kleinen Stück im Vorgarten anfangen, verlieren Sie sicher nicht den Mut.

Schritt I

Starten Sie mit einem oder zwei rechteckig angelegten Beeten, die als erstes mit Buchsbaumstecklingen eingefasst werden. Noch ein Tipp für Liebhaber alter Dinge: Es gibt wunderschöne rostige, verschnörkelte Elemente aus Eisen, die als Beeteinfassung in die Erde gesteckt wurden. Sie sind allerdings nicht ganz preiswert. Mit einem kleinen Holzzaun können Sie die Beete vom restlichen Garten abtrennen. Möchten Sie zwischen den Beeten schon einen Weg anlegen? Dazu eignen sich Natursteinplatten gut, aber auch ein Rasenweg oder – ganz einfach – festgetretener Lehm passen in den Bauerngarten.

Schritt II

Dann wird das Gemüse ganz ordentlich in Reihen gesetzt. Die kleinen vorgezogenen Pflänzchen sind gar nicht teuer und sehen von Anfang an hübsch aus. Lassen Sie an den Beeträndern noch Platz für bunte Blumen und Kräuter. Wenn das Beet zu klein ist, sollten Sie lieber nur Gemüse ins Beet setzen und bunte Sommerblüher oder Einjährige hinter das Beet – vielleicht vor den Holzzaun.

Schritt III

Wenn Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind, können Sie ja weitere Beete anlegen und so Ihren Bauerngarten Stück für Stück gestalten. Als Hilfestellung habe ich Ihnen alle Elemente, die zum Stil des Bauerngartens passen, einmal zusammengestellt. Auf der nächsten Seite finden Sie eine Tabelle mit typischen Bauerngartenpflanzen. Lassen Sie sich inspirieren – glauben Sie mir, es lohnt sich!

Zäune

Sie sollten aus Holz sein, besonders gut passen selbstgefertigte Zäune in einen Bauerngarten. Auch ein grüner Maschendrahtzaun, an dem Duftwicken und Geißblatt emporklettern können, ist erlaubt, allerdings sieht er im Winter nicht unbedingt schön aus.

Beeteinfassung

Eine niedrige Hecke (Buchsbaum, Lavendel) eignet sich als Beeteinfassung, aber auch Natursteine aus der Gegend können verwendet werden. Sie sind nicht gleichmäßig und das Beet wirkt so nicht zu akkurat.

Gartenmöbel

Auch hier steht Holz wieder hoch im Kurs. Vermeiden Sie Plastik, denn das passt gar nicht zu einem Bauerngarten. Probieren Sie es doch einmal mit einer blauen Holzbank!

Wegbeläge

Ich würde Natursteinplatten wählen, da befestigte Wege im Vergleich zu festgetretenen Lehmwegen weniger Arbeit machen. Kleine Polsterstauden dürfen ruhig zwischen den Steinfugen wachsen.

Hecken

Die Hecken bilden Ruhepunkte, die die wilde Üppigkeit einrahmen. Sie sollten zwar in Form geschnitten sein, damit diese Funktion erhalten bleibt, allerdings nicht so streng wie in einem formalen Garten. Als Heckenpflanzen für den Bauerngarten eignen sich z.B. Liguster, Eibe, Buchsbaum und Hainbuche.

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