Ratgeber

Bodenprobe im Garten nehmen

In diesem Beitrag klären wir wichtige Fragen rund um die Bodenprobe im Garten. Sie erfahren, wann Sie eine Bodenprobe analysieren lassen sollten, wie Sie die Ergebnisse richtig interpretieren und wann Sie selbst die Bodenqualität bestimmen können.

Warum ist eine Bodenprobe sinnvoll?

Nährstoffe werden aus organischem Material durch das Bodenleben oder aus dem mineralischen Gestein freigesetzt. Dabei kommt es darauf an, dass der Nährstoff pflanzenverfügbar ist. Nur in der jeweils richtigen chemischen Form können Nährstoffe von Pflanzen aufgenommen werden. Bei einer Bodenprobe werden wichtige Parameter bestimmt, die Rückschlüsse zulassen, wie viel von welchem Nährstoff verfügbar ist.

Immer dann, wenn Sie Zweifel an der Bodenfruchtbarkeit haben, oder die Pflanzen aus unkenntlichem Grund nicht wachsen, ist eine Bodenprobe sinnvoll. Anhand der Ergebnisse können Sie die Defizite gezielt ausgleichen.

Was wertet eine Bodenprobe aus?

Eine Bodenprobe für den Haus- und Kleingarten gibt Aufschluss über die pflanzenverfügbaren Nährstoffe im Boden, eventuelle Schwermetallbelastung, Humusgehalt und pH-Wert. Fragen Sie sicherheitshalber bei der Untersuchungsstelle nach, die Leistungen variieren von Labor zu Labor. Ausgewertet werden:

  • Haupt- und Spurennährstoffe: Phosphor, Kalium, Magnesium, leicht löslicher Stickstoff, Kupfer, Zink, Bor, Mangan;
  • pH-Wert;
  • Humusgehalt;
  • Salzgehalt;
  • Schwermetalle: Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber, Zink.

Wann ist eine Bodenprobe besonders wichtig?

Falls Sie den Verdacht haben, dass ihr Garten mit Schwermetallen belastet ist, sollten Sie unbedingt eine Bodenanalyse durchführen lassen. Nur so stellen Sie sicher, dass sie mit ihrem selbst angebauten Gemüse nicht schädliche Schwermetalle aufnehmen, die sich langfristig im Körper anreichern. Frühere Rieselfelder und Gärten in der Nähe von Bahngleisen sind besonders betroffen.

Haben Sie die Befürchtung, dass der Boden mit Schadstoffen belastet ist, nehmen Sie direkt Kontakt mit dem Labor auf. Dort werden Sie im Vorfeld beraten, welche Schadstoffe in Frage kommen und wie diese Analysiert werden.

Profis nehmen eine Bodenprobe
Profis nehmen eine Bodenprobe

Was bedeutet der pH-Wert?

Der pH-Wert gibt an, wie viele positiv geladene Wasserstoffionen sich in der Bodenlösung befinden. Je mehr positiv geladene Wasserstoffionen es gibt, desto saurer ist der Boden. Ein zu hoher oder zu niedriger pH-Wert verhindert, dass bestimmte Nährstoffe für die Pflanze verfügbar sind. Ein pH-Wert über 7,5 verhindert, dass Eisen von der Pflanze aufgenommen werden kann, es kommt zu Mangelsymptomen, auch wenn eigentlich genügend Eisen vorhanden ist.

Bei einem sauren Boden (pH-Wert unter 5,5) werden Schwermetalle freigesetzt, gleichzeitig sind Nährstoffe wie Stickstoff, Calcium und Magnesium nur noch schlecht verfügbar. Die wichtigen Bodenorganismen gedeihen bei einem zu niedrigen pH-Wert nur schlecht, was wiederum die Nährstoffnachlieferung aus dem organischen Material hemmt.

Bei einem alkalischen oder basischen Boden (pH-Wert über 7,5) sind die Schwermetalle und Pflanzennährstoffe wie Eisen, Zink und Mangan schlecht verfügbar und die Pflanze leidet unter Mangelsymptomen.

Den pH-Wert des Bodens mit Lakmustest bestimmen
Den pH-Wert des Bodens können Sie mit einem einfachen Lakmustest bestimmen

Der ideale pH-Wert

Es gibt Pflanzen, die stellen besondere Ansprüche an den pH-Wert wie der Rhododendron oder Waldheidelbeeren, sie gedeihen auf leicht sauren Böden am besten. Die meisten Pflanzen bevorzugen leicht sauren bis neutralen pH-Wert. Der ideale pH-Wert hängt von der Bodenart ab, da sich die Nährstoffe unterschiedlich an die Bodenpartikel binden.

  • Leichte Böden: 5,3 – 5,7
  • Mittlere Böden: 5,7 – 6,5
  • Schwere Böden: 6,5 – 6,9

Bodenart bestimmen per Fingerprobe

Die Bodenart können Sie im Labor schätzen lassen. Hier wird mittels der Fingerprobe geschätzt. Da das Personal dort erfahren ist, ist die Schätzung im Labor wahrscheinlich genauer, als wenn Sie sich zum ersten Mal daran versuchen.

Doch Sie können es ganz selbst versuchen, die Bodenart mittels Fingerprobe zu bestimmen. Nehmen Sie ein kleines Stück Boden in die Hand und feuchten ihn gegebenenfalls an. Versuchen Sie nun eine kleine Rolle daraus zu formen. Gelingt das nicht oder nur schlechte, haben Sie einen leichten, sandigen Boden. Lässt sich der Boden bis etwa Bleistiftdicke ausrollen, ist der Boden schwer und gehört in die Klasse der Lehm – oder Tonböden. Weiter unten finden Sie eine genaue Anleitung.

Wie funktioniert eine Bodenprobe?

Der richtige Zeitpunkt ist vom Herbst bis zum Frühjahr oder nach der Ernte. Während der Gartensaison können Sie ebenfalls eine Probe nehmen, wenn Sie Verdacht auf einen Nährstoffmangel oder -Überschuss haben, aber nicht direkt nach der Düngung.

Unterschiedlich genutzte Flächen werden getrennt beprobt. Mischen Sie nicht die Bodenproben von Rasen, Blumen- und Gemüsebeet untereinander.

Probennahme von Rasenflächen

Da Rasen nur flach wurzelt, liegt die Hauptwurzelzone lediglich 10 cm tief. Stechen Sie mit dem Spaten in den Boden und entnehmen Sie mit einem Löffel Erde aus 5 bis 10 cm Tiefe. Nehmen Sie zehn bis fünfzehn Teilproben von der gesamten Rasenfläche und mischen Sie die entnommene Erde in einem Eimer.

Viele Proben aus dem Boden ergeben ein sinnvolles Bild in der Breite
Viele Proben aus dem Boden ergeben ein sinnvolles Bild in der Breite

Probennahme aus dem Gemüse- und Blumenbeet

Im Gemüse- und Blumenbeet liegt die Hauptwurzelzone etwa 30 cm tief. Stechen Sie mit dem Spaten 30 cm tief in den Boden und schaben Sie mit dem Löffel von unten nach oben Erde ab. Wiederholen Sie den Vorgang 10 bis 15 Mal an anderen Stellen und mischen Sie die Proben in einem Eimer.

Erde abfüllen und verschicken

Füllen Sie etwa 500 Gramm der Mischprobe in einen verschließbaren Beutel. Es eignen sich handelsübliche Plastikbeutel oder ein Beutel des Prüfinstituts. Sortieren Sie Steine, Erntereste und Fremdkörper aus. Verschließen Sie den Beutel und beschriften Sie ihn eindeutig mit einem Marker oder Kugelschreiber. Geben Sie Name und Anschrift des Einsenders und bei mehreren Proben die Nutzungsart, zum Beispiel, Rasenfläche oder Gemüsebeet, an. Bis zum Versand in das Labor sollte die Probe kühl gelagert werden.

Bodenanalyse ans Labor senden: Wer wertet aus?

Suchen Sie ein kompetentes Labor, ist die Landwirtschaftskammer Ihres Bundeslandes ein guter Ansprechpartner. Hier werden Sie weitergeleitet an zertifizierte Labore in Ihrer Nähe, teilweise schließt sich, ein oftmals preiswertes Labor, direkt an die Landwirtschaftskammer an.

Was kostet eine Bodenanalyse?

Wie viel eine Bodenanalyse im Labor kostet, hängt einerseits von Labor selbst ab, aber natürlich auch von den zu untersuchenden Parametern. Bitte erfragen Sie die Kosten direkt bei Ihrem Labor.

Was beinhaltet die Standarduntersuchung?

Ab 30 Euro wird die Nährstoff- und Kalkversorgung mittels des pH-Wertes und pflanzenverfügbarer Gehalte von Phosphor, Kalium und Magnesium bestimmt.

Ein Labor wertet Bodenproben aus
Ein Labor wertet Bodenproben professionell aus – das lohnt sich für Gartenbesitzer

Was kosten zusätzliche Untersuchungen?

  • Humusgehalt: ca. 20 Euro
  • Schwermetalle: ca.  60 Euro
  • Pflanzenschutzmittel: ca. 200 Euro

Erkenntnisse aus den Ergebnissen: Was Sie mit den Werten anfangen können

Anhand der Ergebnisse der Bodenanalyse können Sie ableiten, wie der Zustand des Bodens ist. Oftmals kann eine individuelle Düngeempfehlung, was einer Auswertung der Ergebnisse durch das Labor entspricht, kostenpflichtig hinzugebucht werden.

Sie können die Ergebnisse aber auch selbst auswerten. Überprüfen Sie, ob der pH-Wert angepasst werden muss. Anheben lässt er sich, indem gekalkt wird. Senken lässt sich der pH-Wert langfristig durch sauer wirkendes organisches Material oder kurzfristig mit sauer wirkendem Stickstoffdünger. Lassen Sie sich im letzteren Fall unbedingt fachmännisch beraten, wie Sie am besten vorgehen. Bei leichten Böden wird ein pH-Wert zwischen 5,0 bis 6,0 angestrebt, bei schweren Böden 5,5 bis 7,0.

pH-Wert Bodenreaktion
4,6 – 5,5 Sauer
5,6 – 6,5 Schwach Sauer
6,6 – 7,2 Neutral
7,3 – 8,0 Alkalisch

Bei Phosphor, Kalium und Magnesium gibt es anzustrebende Gehalte. Erfahren Sie, dass die Gehalte unter dem Optimum liegen, können Sie gezielt nachdüngen, liegen die Ergebnisse über dem Optimum, ist der Boden überdüngt und Sie müssen die nächsten Jahre nicht düngen.

Tipp: Die meisten Gärten sind tendenziell überdüngt, weil die Hobbygärtner Ihren Pflanzen gern eine kräftige Hilfe geben möchten. Es kann aber sein, dass einzelne Närhstoffe fehlen.

Nährstoff Phosphor

P2O5

mg/100 g

Kalium

K2O

mg/100 g

Magnesium

Mg

mg/100 g

Bodenart Alle Bodenarten Leichte bis mittlere Böden Schwere Böden Alle Bodenarten
Unterversorgt <12 <15 <18 <10
Optimum 12-20 15-34 18-37 10-20
Überversorgt >20 >34 >37 >20

Dünger und Kalk – richtig anwenden

Anhand der Ergebnisse aus der Bodenprobe wissen Sie nun ganz genau, welche Nährstoffe Sie düngen müssen und ob Kalken nötig ist. Vor allem die Kalkung dient zur langfristigen Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Man unterscheidet dabei zwischen einer Gesundungskalkung und Erhaltungskalkung.

Ist der pH-Wert bereits im optimalen Bereich, genügen etwa 100 g kohlensaurer Kalk alle drei Jahre zu Erhaltung des pH-Wertes. Liegt der pH-Wert weit unter dem optimalen Wert, spricht man von einer Gesundungskalkung. Zur Bodenverbesserung verwendet man bei Sandböden 250 g kohlensaurer Kalk pro Quadratmeter, um eine Anhebung des pH-Wertes um 1 zu erreichen. Schwere Lehmböden benötigen die doppelte Menge.

Magnesium und Kalium düngen Sie zu, indem Sie statt normalem Gartenkalk, Gesteinsmehle verwenden, die große Mengen an Magnesium und Kalium enthalten. Reichern Sie Ihren Kompost immer mit Gesteinsmehlen an, ist eine direkte Kalkung in der Regel unnötig.

Phosphor kann entweder indirekt über Mist oder Kompost in den Boden gebracht werden, oder Sie greifen auf spezielle Phosphordünger mit Langzeitwirkung zurück.

Bodenprobe selbst machen?

Sie können selbstverständlich einiges selbst machen, um den Zustand Ihres Bodens einzuschätzen. Die Beprobung auf Schwermetalle, verfügbaren Stickstoff oder Pflanzenschutzmittelrückstände ist für den Laien nicht durchführbar und sollten in den Händen des Labors bleiben. Auch der Gehalt von Phosphor, Kalium und Magnesium ist nur mittels eines Chemiekastens bestimmbar.

pH–Wert

Mischen Sie die Bodenprobe im Verhältnis 1:1 mit destilliertem Wasser und prüfen Sie den pH-Wert mit einem Messgerät oder Indikatorpapier. Aber Achtung! Das Ergebnis wird geringfügig von der Messung des Labors abweichen, da hier noch Kaliumchlorid und Calciumchlorid zur Lösung hinzugefügt wird, um die Wasserstoffionen am Austauscher zu lösen.

Bodenart mit der Fingerprobe selbst bestimmen

Um die Bodenart zu bestimmen, eignet sich die Fingerprobe. Probieren Sie es einmal aus, es ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten. Nehmen Sie ein Stück leicht feuchten Boden in die Hand und beproben Sie den Boden nach der Anleitung. Danach wissen Sie auch ohne Labor, zu welcher Gruppe Ihr Boden gehört. Diese Probe kann auch von einem Laien ohne viel Vorerfahrung ausgeführt werden und zeigt zuverlässig, ob der Boden sandig, tonig oder lehmig ist.

So führen Sie die Fingerprobe durch:

  1. Schritt: Probe zwischen den Handtellern zu einer bleistiftdicken Wurst auszurollen.
  • nicht ausrollbar: weiter mit Schritt 2
  • ausrollbar: weiter mit Schritt 3
  1. Schritt: Prüfung der Bindigkeit zwischen Daumen und Zeigefinger.
  • nicht bindig: Sand
  • bindig:  weiter mit Schritt 3
  1. Schritt: Die Probe zu einer Wurst von halber Bleistiftlänge auszurollen
  • nicht ausrollbar: sandiger Lehm
  • ausrollbar: weiter mit Schritt 4
  1. Schritt: Prüfen zwischen den Zähnen. Nehmen Sie ein kleines Stück Boden in den Mund.
  • knirschen: Lehm
  • butterartige Konsistenz: Ton

Gute Pflanzerde

Den Humusgehalt in der Erde selbst bestimmen

Mit der Schlämmprobe können Sie den Humusgehalt abschätzen. Mischen Sie dazu etwas Erde mit Wasser in einem Wasserglas. Lassen Sie der Lösung Zeit sich zu setzen und begutachten Sie das Wasser. Der schweren Bodenteilchen setzen sich ab, unzersetzte Pflanzenteile schwimmen oben auf. Je dunkler das Wasser, desto höher ist der Humusgehalt.

Fazit: Bessere Erde durch Tests

Bei einer Bodenprobe kommt es darauf an, was Sie bestimmen lassen möchten. Die Bodenart, den pH-Wert und der Humusgehalt kann zu Hause mit einfachen Mitteln geschätzt werden.

Im Labor kann man eine Standarduntersuchung für den Haus- und Kleingarten in Auftrag geben, diese umfasst die Nährstoffe Phosphor, Kalium und Magnesium, anhand der Ergebnisse können Sie genau ermitteln, ob und wie viel Sie diese Nährstoffe düngen müssen. Die Untersuchung ist sehr günstig und sollte alle zwei bis drei Jahre durchgeführt werden. Eine konkrete Düngeempfehlung kostet in der Regel extra. Stickstoff, ein wichtiger Nährstoff in der Pflanzenentwicklung, wird beim Hausgarten in der Regel nicht bestimmt. Er unterliegt starken Schwankungen, die Stickstoffverfügbarkeit kann sich innerhalb kürzester Zeit ändern.

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